| Spenden muß Spaß machenStiftung Fliege: Seit 1995 bietet der TV-Pfarrer Unterstützung bei alltäglicher Not. Von Barbara Möller
 | Tut Gutes und redet darüber: Jürgen Flieges Stiftung hilft bei Armut und Not. Foto: DPA |
Berlin - Kein
Mensch, sagt Jürgen Fliege, spende Geld, wenn man ihn moralisch unter
Druck setze. "Menschen spenden nur, wenn sie das Gefühl haben, es geht
ihnen gut, und Spenden macht Spaß. Teilen macht Spaß." Fliege
muß es wissen. Der Fernsehpfarrer hat im Mai 1995, ein Jahr nach dem
Start seiner ARD-Talkrunde, die "Stiftung Fliege für Menschen in
Krankheit und Not" ins Leben gerufen und seitdem 10,5 Millionen Euro
eingesammelt. Das erscheint wenig im Vergleich mit den 36 Millionen,
die der Mitteldeutsche Rundfunk im August 2002 mit einer Sender-Gala
zur Hochwasserkatastrophe innerhalb von 24 Stunden zusammenbrachte,
aber dafür bearbeitet Flieges Stiftung mit langem Atem die ganz
alltäglichen Notfälle. Das
mag denen nicht gefallen, die den 57jährigen abschätzig einen
"Sekundentröster" nennen ("Die Zeit"), aber keiner kommt in der Studie
"Spendensendungen und Spendenabwicklungspraxis der
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten" so gut weg wie Jürgen Fliege.
Und zwar deshalb, weil seine Stiftung zu fortgesetztem
bürgerschaftlichem Engagement anregt. Sagt Rupert Graf Strachwitz, der
Direktor des Maecenata Instituts, das der Berliner Humboldt-Universität
angegliedert ist und die Studie erarbeitet hat. Beweis seien die
Hunderttausenden von Einzelspenden, die jährlich bei der
Fliege-Stiftung eingingen. Der
Einfluß der Massenmedien auf das Spendenverhalten der Bevölkerung ist
oft thematisiert, aber nie wirklich untersucht worden. Christoph
Müllerleile, der Autor der Studie, hat nun herausgefunden, daß von den
etwa 350 000 als gemeinnützig anerkannten Vereinen und Stiftungen, die
in der Bundesrepublik um Spenden bitten, nur etwa 1000 mit
festangestelltem Personal, also professionell, arbeiten, und daß von
diesen 1000 Organisationen wiederum nur etwa 100 zu unmittelbaren
Nutznießern von Spendensendungen im Hörfunk und im Fernsehen werden.
Daß von Chancengleichheit also keine Rede sein kann. Ein
noch größeres Problem sieht Müllerleile allerdings darin, daß die
Sendeanstalten eine Doppelrolle einnehmen: "Sie sind zugleich
Berichterstatter mit einem Informationsauftrag und Veranstalter von
Spendensendungen." Vor diesem Hintergrund könne es niemanden wundern,
so der Politikwissenschaftler und Fundraising-Experte, daß in den
Öffentlich-Rechtlichen niemand kritisch nachfrage, was denn eigentlich
mit den 516 Millionen Euro geschehe, die für die Opfer des Seebebens in
Südasien gesammelt worden seien. erschienen am 3. Juni 2005 in Kultur / Medien
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